Wissen über Radon

Radonfachperson: Qualifikationen und Merkmale

Radonfachpersonen spielen eine zentrale Rolle, um Radon in Gebäuden effektiv zu reduzieren – ein unsichtbares, radioaktives Gas, das aus dem Boden aufsteigt und in Gebäude/Wohnungen eindringt. Doch welche Qualifikationen und Merkmale zeichnen diese Fachkräfte aus? In diesem Artikel beleuchten wir die Anforderungen an Radonfachpersonen – von Ausbildung bis praktischer Erfahrung – und zeigen, wie hohe Standards die Qualität sichern können. Zudem erklären wir, wie man eine qualifizierte Radonfachperson erkennt.

Warum Radonfachpersonen entscheidend sind

Radon ist laut WHO ab 100 Bq/m³ ein Gesundheitsrisiko und die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach Rauchen. In Radon-Vorsorgegebieten – etwa in Teilen Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz – sind qualifizierte Radon-Fachkräfte unverzichtbar. Sie führen präzise Radonaktivitätskonzentrations-Messungen durch, diagnostizieren und spüren Radon-Eintrittspfade auf und begleiten oder setzen Sanierungsmaßnahmen um – für eine zielsichere Radon-Reduktion in der Raumluft.

Qualifikationen einer Radonfachperson

1. Fachliche Ausbildung und Zertifizierung

Radonfachpersonen benötigen eine fundierte Ausbildung im Radonschutz. Verschiedene Institutionen bieten hierzu spezifische Programme an, die sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen vermitteln:

  • Schweiz – Bundesamt für Gesundheit (BAG): Das BAG bietet umfassende Radonausbildungen, die Theorie, Messmethoden und Sanierungstechniken, abdecken – Details unter BAG Radonausbildung.
  • Deutschland – Verband Baubiologie (VDB): Der VDB zertifiziert Radonfachpersonen mit Fokus auf baubiologische Standards, einschließlich Radonmessung und -sanierung – siehe VDB Radonfachperson.
  • TÜV Akademie: In Deutschland bietet die TÜV Akademie den Kurs „Radon-Sachkunde etc. Modul 1 bis 3“, der Grundlagen und praktische Anwendungen vermittelt – mehr unter TÜV Radon-Sachkunde oder Module für “Radon”
  • Sachsen:
    • Radonfachzentrum Dresden: Die Bau Bildung Sachsen e.V. bietet spezialisierte Schulungen, die sich auf Radon in Gebäuden konzentrieren, oft mit regionalem Fokus auf das Erzgebirge – siehe Radonfachzentrum Dresden.
    • Sächsische Energieagentur (SAENA): Veranstaltungen wie „Radon-Fachkurs“ umfassen Messmethoden und Sanierungsstrategien – mehr unter SAENA Veranstaltung.
  • Bayern:
    • Landesamt für Umwelt (LfU): Das Programm „Radonia“ bietet Lehrgänge für Radonfachpersonen, mit Schwerpunkt auf bayerischen Vorsorgegebieten wie – LKR Wunsiedel siehe LfU Radonia.
    • Bayerisches Umweltministerium: Materialien und Schulungen sind über das Ministerium verfügbar, z. B. für die Alpenregion – mehr unter Bayern Bestellen.
  • Hessen:
    • Hessische Radonzentrum (HeRaZ): Das HeRaZ der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) informiert über die Rolle, Qualifikationen und Einsatzmöglichkeiten von Radonfachpersonen bei Radonproblemen in Gebäuden.
  • Andere Regionen:
    • Ingenieurkammer Sachsen: Weiterbildungen zur Radonfachperson, z. B. ab Februar 2025, mit Praxisbezug – siehe Ing-SN Weiterbildung.
    • Kora eV Lehrveranstaltungen für Fachkräfte, oft mit Fokus auf Messung und Sanierung – mehr unter KorAEV Lehrveranstaltung.
    • Hessisches Ingenieurkammer-Bau: Frühere Kurse zeigen die Vielfalt der Angebote – siehe HIKB Weiterbildung.
    • Südtirol: Die Umweltagentur bietet Schulungen für Radonfachpersonen, zugeschnitten auf alpine Verhältnisse – siehe Umwelt Südtirol.
    • Österreich: Die Fachstelle für Radon der AGES koordiniert alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Radon in Österreich Kontakt – Fachstelle für Radon

Wissenschaftliche Studiengänge, wie Physik und Chemie sowie technische Studiengänge wie Architektur, Bauingenieurwesen oder Geologie können diese Programme ergänzen.

2. Praktische Erfahrung

Praxis ist essenziell – Radonfachpersonen sollten über:

  • Projekterfahrung: Mehrere Jahre in der Radonsanierung mit den gängigen Sanierungsmethoden
  • Vielfalt: Sachverständige Arbeit an verschiedenen Gebäudetypen (Wohnhäuser, Gewerbe, Spezielle Arbeitsfelder, wie Wasserwerke etc.).
  • Dokumentierte Erfolge: Nachweisbar effiziente Sanierungen in unterschiedlichen Kontexten.

3. Kenntnisse der Techniken

Radonfachpersonen müssen die gängigen Methoden beherrschen:

  • Messung: Radon-/Thoron-Aktivitätskonzentrationen qualifiziert in der Raumluft, im Boden und im Wasser messen mit Dosimetern oder Radonmonitoren/Radonmessgeräten incl. Qualitätsmanagement (z.B. vom BfS Zertifizierte Radonmessstellen)
  • Anamnese, Diagnose, Therapie: Lokalisierung von Radon-Eintrittspfaden (z. B. durch Radonsniffing an Medieneinführungen, Gebäudefehlstellen, Öffnungen, Rissen und Fugen etc.) und Radon-Ausbreitungsmechanismen (Treppenhäuser, aufsteigende Wände, WDVS nach energetischen Sanierungen etc.) sowie daraus abgeleitete, fundierte Sanierungsvorschläge zur Radonreduktion
  • Sanierung: Unterbodenabsaugung, Abdichtungssysteme, Lüftungssysteme, Überdruck-Varianten, Radonsauger, Radonturbinen, Radonbrunnen, Radondrainagen, Hohlbodenabsaugungen etc.

4. Rechtliches und regionales Wissen

Radon-Vorschriften (können je nach Region/Land variieren):

  • In Deutschland regelt das Strahlenschutzgesetz (§ 127/128 StrlSchG) Messungen und Maßnahmen in Vorsorgegebieten.
  • In anderen Ländern wie der Schweiz oder Südtirol gibt es spezifische Richtlinien, die Radonfachpersonen kennen müssen.
  • Verständnis für regionale Bodenverhältnisse (z. B. Erzgebirge, Schwarzwald, Alpenregion, Harz, Plön) ist unerlässlich, um Sanierungen nach intensiven Gebäude-Anamnesen/-Untersuchungen zu begleiten oder umzusetzen.
  • Gesetzliche Randbedingungen und aktuelle Forschungsthemen
  • ÖNormen, DIN-Normen, wie DIN/TS 18117-2 – Das neue Regelwerk für den bau- und lüftungstechnischen Radonschutz
  • Grundlegende Schriften, wie Radonhandbuch Deutschland Radon-Handbuch Deutschland – IZU

Förderprogramme sollten ebenfalls bekannt sein, siehe z.B. Radonberatung | SAENA

Merkmale einer qualifizierten Radonfachperson

Praktische Erfahrung und Gebäudebewertung

Die Anforderungen an Radonfachpersonen umfassen praktische und interdisziplinäre Fähigkeiten:

  • Langjährige Praxis: Mindestens 5 Jahre Erfahrung in der Radonsanierung sind notwendig, um komplexe Fälle zu bewältigen – etwa in Radon-Vorsorgegebieten mit hohen Radonaktivitätskonzentrationen (>300 Bq/m³).
  • Gebäudekenntnisse: Radonfachpersonen müssen sich mit verschiedenen Bauweisen auskennen – Altbauten, Lehmhäuser, Gewölbekeller oder moderne Gebäude. Die Analyse von Wanddicke, Materialporosität und bauliche Besonderheiten bestimmen die erfolgversprechende Sanierungsstrategie.
  • Architekturwissen: Verständnis für Statik, Baustoffe und Baumaterialien (z. B. Lehm, Beton, Streifenfundamente, Granit-Natursteine)
  • Bauphysik: Kenntnisse über Radondurchlässigkeit, Diffusion, Thermik, Konvektion, Druckverhältnisse, Luftdurchlässigkeit, Radon-Exhalation aus Baustoffen und Strömungslehre sind essenziell – etwa, um geeignete Unterdrucksysteme zu empfehlen oder Sanierungsmöglichkeiten auszuloten
  • Geologische Expertise: Bodenradon-Kenntnisse (z. B. Interpretation von Bodengutachten, Geoportal-Abfragen, Bodenradon-Messungen), um die Sanierung gezielt anzupassen.

In der Schweiz ist die praktische Radon-Prüfung Pflicht – etwa die Durchführung von Messungen und Erstellen von Sanierungsplänen/-konzepten unter Aufsicht. Solche Standards sichern die Kompetenz von qualifizierten Radonfachpersonen, um Radon effektiv zu reduzieren.

Wie erkennt man eine qualifizierte Radonfachperson?

Für Laien oder Auftraggeber ist es wichtig, qualifizierte Radonfachpersonen anhand klarer Merkmale zu identifizieren:

  • Nachweise: Zertifikate von anerkannten Ausbildungs-Institutionen (z. B. LfU, SMUL, BAG, VDB, TÜV) oder regionale Schulungen (z. B. Sachsen, Bayern) bestätigen die Grund-Ausbildung.
  • Erfahrung: Mindestens 5 Jahre Praxis in der Radonsanierung, idealerweise mit Referenzprojekten, die erfolgreich umgesetzt wurden (Radon-Nachmessungen unter 100 Bq/m3)
  • Fachwissen: Kenntnisse über Gebäudestrukturen (z. B. Altbauten, Gewölbekeller, Schächte, Kamine, Streifenfundamente, Lehmstampfböden) und gängige Sanierungstechniken (z. B. Unterbodenabsaugung).
  • Transparenz: Klare Kommunikation über Vorgehen, Messstrategien, Kosten und erzielbare Lösungen des Radonproblems.
  • Regionale Expertise: Verständnis für lokale Gegebenheiten, etwa in Vorsorgegebieten wie LKR Wunsiedel oder Landkreise im Südschwarzwald, Sachsen, Thüringen, Niedersachsen etc.

Eine qualifizierte Radonfachperson zeigt ihre Kompetenz durch fundierte Gebäudeerkundung/-anamnese und maßgeschneiderte zielgerichtete Lösungsansätze bis hin zur erfolgreichen Radonsanierung.

Aufgaben einer qualifizierten Radonfachperson

Gebäudeanalyse

Vor jeder Radonsanierung steht die Gebäudeerkundung/-anamnese – qualifizierte Radonfachpersonen untersuchen Bauweise und die „Physik des Gebäudes“, um die beste Sanierungs-Methode zu wählen.

Messung und Diagnose

Radon eigenverantwortlich in der Raumluft, im Boden, im Wasser messen mit regelmäßig kalibrierten Geräten, Radon-Eintrittsstellen in Gebäude lokalisieren – z. B. durch Radonsniffing mit modernen „Hightech-Geräten“.

Sanierungsplanung

Maßgeschneiderte Lösungen zur ausreichenden Radonreduktion entwickeln – ob Unterbodenabsaugung, Abdichtung oder Lüftung – basierend auf den ermittelten Gebäude-Analysedaten.

Standards für Deutschland

Praktische Erfahrung und interdisziplinäre Kenntnisse (Architektur, Physik, Chemie, Geologie) sind der Schlüssel:

  • Pflichtpraxis: Mindestens 5 Jahre Erfahrung als Standard oder unter Anleitung einer qualifizierten Radonfachperson.
  • Zertifizierung: Grundausbildungen zur Geprüften Radonfachperson, Einführung eines Qualitätsmanagements (siehe BfS – Anerkennung von Radon-Messungen)
  • Weiterbildung: Teilnahme an regelmäßigen Weiterbildungen, Konferenzen, Foren und Veröffentlichung auf Homepage oder z.B. beim VDB

So wird sichergestellt, dass qualifizierte Radonfachpersonen Gebäudeanalysen und Radonsanierungen auf höchstem Niveau durchführen.

Fazit: Anforderungen an Radonfachpersonen

Qualifizierte Radonfachpersonen vereinen fundierte Ausbildung, ausreichende praktische Erfahrung und regelmäßige Weiterbildungen. Mit Kenntnissen in Architektur, Physik, Chemie und Geologie reduzieren sie Radon effektiv – sei es durch Messung, Diagnose oder Sanierung. Zertifikate von anerkannten Institutionen sowie langjährige Praxis sind unerlässlich – für eine Radonsanierung, die Gesundheit und Gebäude schützt.

Radonschutz durch Dr. Gerhard Binker – Radonfachperson

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.

Telefon: +49 (0) 9123 9982-0
E-Mail: info@binker.de

Dr. Gerhard Binker

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.

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